- Laut einer Studie aus 2025 sind strukturelle Hürden wie Teilzeitfallen, männlich geprägte Kulturen und fehlende strategische Verankerung von Gleichstellung die Hauptgründe, warum Frauen in Schweizer KMU selten Spitzenpositionen erreichen.
- Neben externen Barrieren bremsen auch innere Muster wie das Impostor-Syndrom oder verinnerlichte Glaubenssätze Frauen auf dem Weg nach oben.
- Authentisches Female Leadership bedeutet, eigene Stärken zu nutzen und einen individuellen Führungsstil zu entwickeln, nicht aber das Anpassen an ein fremdes Ideal.
- Nachhaltiger Wandel erfordert sowohl strukturelle Massnahmen seitens der Unternehmen als auch persönliche Entwicklungsarbeit der Frauen selbst.
Gut ausgebildet, hoch motiviert – und dennoch in Spitzenpositionen kaum sichtbar. So lässt sich die Situation vieler Frauen in der Schweizer Wirtschaft auf den Punkt bringen. Eine Studie der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich aus dem Jahr 2025, durchgeführt im Auftrag von Advance, bestätigt, was viele Frauen in Führungspositionen täglich erleben: Die Hindernisse auf dem Weg nach oben sind real, vielfältig – und zu einem grossen Teil struktureller Natur.
Dabei geht es längst nicht nur um grosse Konzerne. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die das Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft bilden, zeigt sich, wie weit der Weg zur echten Chancengleichheit noch ist – und gleichzeitig, wie gross das ungenutzte Potenzial ist.
Wenn Strukturen bremsen: Was die HWZ-Studie über Female Leadership in Schweizer KMU aussagt
Die HWZ-Studie basiert auf 14 Interviews mit Führungspersonen aus verschiedenen Branchen – mehrheitlich aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Die Erkenntnisse sind ernüchternd, aber aufschlussreich und identifizieren im Wesentlichen drei strukturelle Hindernisse.
Die Teilzeitfalle: Wenn Fürsorgearbeit zur Karrierebremse wird
In der Schweiz ist Teilzeitarbeit bei Frauen weit verbreitet – oft nicht aus mangelndem Karriereinteresse, sondern weil Betreuungsangebote fehlen oder sehr kostenintensiv sind und gesellschaftliche Rollenbilder nach wie vor stark wirken. Wer in Teilzeit arbeitet, landet jedoch auch heute noch leider nur selten auf der Liste für die nächste Führungsposition. Das Ergebnis: Frauen sind zwar unterhalb der Kaderstufe (Non-Management) fast gleich stark vertreten wie Männer, doch auf der obersten Kaderstufe (Top Management) liegt ihr Anteil laut Gender Intelligence Report (GIR) 2025 bei lediglich 23 Prozent.
Laufen die Entwicklungen im gegenwärtigen Tempo weiter, sollen gemäss Berechnungen der Vereinten Nationen noch rund 140 Jahre vergehen, bis Frauen in gleicher Stärke wie Männer in Macht- und Leitungspositionen vertreten sind.
Männlich geprägte Branchen und Kulturen
Viele KMU operieren in Branchen, die historisch von Männern geprägt wurden – mit entsprechenden Unternehmenskulturen, Netzwerken und impliziten Erwartungen. Der GIR 2025 zeigt zudem, dass Frauen gerade in stark „traditionell“ geprägten Unternehmen besonders selten in Führungsrollen anzutreffen sind. Wer nicht dem unausgesprochenen Ideal einer Führungspersönlichkeit entspricht, muss mehr leisten, um gleich viel Anerkennung zu erhalten.
Gleichstellung ohne strategische Verankerung
Viele KMU sehen Gleichstellung als wichtiges Anliegen – doch bleibt es oft bei einzelnen Massnahmen wie flexiblen Arbeitszeiten oder Teilzeitmodellen. Was fehlt, ist die systematische Verankerung von Gleichstellungszielen in der Unternehmensstruktur – also in Karrierepfaden, in der Führungskultur und in der Rekrutierung. Ohne diesen strukturellen Rahmen bleibt das Potenzial von Female Leadership in Schweizer KMU weitgehend ungenutzt. Deutlich wird somit, dass die Ursachen für die Unterzahl von Frauen als Führungspersönlichkeiten systemischer Art sind und Veränderungen genau dort ansetzen müssen.
Mindset und innere Stärke: Was Frauen selbst in die Hand nehmen können
Struktureller Wandel braucht Zeit. Und er braucht den Willen von Unternehmen, Politik und Gesellschaft. Doch während dieser Wandel voranschreitet, gibt es gleichzeitig etwas, das Frauen heute schon für sich tun können. Denn neben den äusseren Hürden gibt es mit der inneren Ebene einen zweiten Aspekt, der oft unterschätzt wird.
Limitierende Glaubenssätze und das Impostor-Syndrom
Die HWZ-Studie beobachtet, dass Frauen in KMU ihr Karriereinteresse häufig weniger aktiv und sichtbar zeigen als ihre männlichen Kollegen. Was auf den ersten Blick wie mangelnde Ambition wirken mag, hat oft tiefere Wurzeln, nämlich in verinnerlichten Überzeugungen darüber, was Frauen zusteht, sie sich zumuten dürfen oder leisten müssen, bevor sie Anspruch auf Sichtbarkeit erheben können.
Das Impostor-Syndrom – das Gefühl, die eigene Kompetenz zu überschätzen und früher oder später „aufzufliegen“ – tritt bei Frauen in Führungspositionen besonders häufig auf. Es führt dazu, dass Erfolge externalisiert, Fehler internalisiert und Chancen zögerlich ergriffen werden. Die innere Stimme sagt: „Ich bin noch nicht gut genug“ – auch dann, wenn die äussere Realität längst das Gegenteil beweist.
Hinzu kommen weitere Muster: die Tendenz, Bedürfnisse anderer vor die eigenen zu stellen, Harmonie zu wahren, statt Klartext zu sprechen, oder Leistung nur selbst zu erbringen, ohne sie auch von anderen einzufordern. Diese Verhaltensweisen sind keine Schwächen – sie sind oft erlernte Strategien, die möglicherweise sogar irgendwann mal Sinn ergeben haben. Doch in Führungsrollen können sie zur Bremse werden.
Führungsstärke entwickeln: Was authentisches Female Leadership ausmacht
Weibliche Führungskompetenz zu entwickeln bedeutet nicht, sich anzupassen oder einen fremden Führungsstil zu übernehmen. Es bedeutet, die eigenen Stärken zu erkennen, limitierende Muster zu durchschauen und einen Führungsstil zu entwickeln, der wirksam und authentisch zugleich ist.
Das umfasst unter anderem:
- Sichtbarkeit als Führungsinstrument verstehen: Frauen, die sich zeigen, schaffen Orientierung und steigern das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird.
- Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen: Klare Kommunikation schützt die eigene Energie und stärkt die Teamdynamik.
- Selbstführung vor Mitarbeiterführung: Wer sich selbst kennt und steuert, führt andere stabiler und resilienter.
- Karriereinteressen aktiv kommunizieren: Dies ist keine Selbstdarstellung, sondern dient der professionellen Klarheit.
Gerade für Frauen in KMU, die oft viele Rollen gleichzeitig einnehmen – Fachexpertin, Führungskraft, manchmal auch Unternehmerin oder Nachfolgerin –, ist diese innere Arbeit kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für die Etablierung nachhaltiger Führungsstärke.
Coaching für Frauen in Führungspositionen: An der Schnittstelle von Kompetenz und Persönlichkeit
Katharina Isele bietet Frauen in Führungspositionen und mit Leitungsverantwortung Unterstützung in Form professioneller Coachings und Workshops. Als ehemalige Führungskraft und Ausbildungsleiterin in führenden internationalen Pharmaunternehmen kennt die Coach aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, in einem Hochleistungsumfeld Verantwortung zu tragen und dabei gleichzeitig die eigene Gesundheit, Klarheit und Authentizität nicht aus den Augen zu verlieren.
Neben modernen Coaching-Methoden bringt Katharina Isele auch ihren Erfahrungshintergrund in ihre Coaching-Arbeit ein. Ihre Schwerpunkte spiegeln die Themen wider, die Frauen in Führungspositionen heute tatsächlich bewegen: Mental Health in Leistungskontexten und die Frage, wie sich nachhaltige Leistungsfähigkeit ohne Selbstaufgabe gestalten lässt. Gesunde Führung und Selbstführung – denn wer sich selbst kennt und steuert, führt andere stabiler und wirksamer. Resilienz in Zeiten permanenter Veränderung, wo innere Stärke zur zentralen Führungsressource wird. Female Leadership als Prozess, in dem ein authentischer Führungsstil entsteht, der zur eigenen Persönlichkeit passt – und nicht zum vermeintlichen Ideal. Und schliesslich die Vereinbarkeit von Karriere und Familie, die für viele Frauen in Führungsrollen einen täglichen Balanceakt darstellt.
Katharina Isele begleitet Frauen genau an dieser Schnittstelle: zwischen dem, was strukturell herausfordernd ist, und dem, was persönlich möglich ist. Im Coaching wird gemeinsam geschaut, welche Glaubenssätze bremsen, welche Stärken noch nicht voll genutzt werden und wie ein Führungsstil entsteht, der nachhaltig und belastbar ist.
Wenn Sie neugierig sind, wie das für Sie konkret aussehen könnte, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme zur Vereinbarung eines unverbindlichen Vorgesprächs.
Fazit: Mehr Female Leadership in Schweizer KMU ist möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und genutzt werden
Die HWZ-Studie zeigt, welche Hebel auf Unternehmensebene wirken: eine inklusive Führungskultur, individuelle Entwicklungspfade, die nicht nur auf klassische Hierarchiestufen setzen, und eine gezielte Stärkung der Arbeitgeberattraktivität für Frauen. All dies sind wichtige und notwendige Schritte.
Doch reichen weder strukturelle Massnahmen noch persönliche Entwicklung für sich allein aus. Vielmehr braucht es beides: Unternehmen, die Rahmenbedingungen für Female Leadership schaffen, und Frauen, die die Räume nutzen, die sich ihnen dadurch öffnen.
Wer als Frau in einer Führungsposition oder auf dem Weg dorthin spürt, dass innere Muster bremsen – sei es das Gefühl, nicht gut genug zu sein, die Schwierigkeit, Sichtbarkeit zu zeigen, oder die Frage, wie Karriere und Privatleben in Einklang gebracht werden können, steht damit nicht allein. – Und diese Wahrnehmung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Ausgangspunkt für die eigene Weiterentwicklung
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Frauenanteil im Top Management Schweizer Unternehmen aktuell?
Laut dem Gender Intelligence Report 2025 beträgt der Anteil von Frauen im Top Management lediglich 23 Prozent. Unterhalb der Kaderstufe sind Frauen hingegen fast gleich stark vertreten wie Männer, was zeigt, dass vor allem der Aufstieg in die obersten Führungsetagen nach wie vor strukturell erschwert ist.
Was sind die grössten strukturellen Hindernisse für Frauen in Führungspositionen in Schweizer KMU?
Eine HWZ-Studie aus dem Jahr 2025 identifiziert drei zentrale strukturelle Hindernisse. Erstens die sogenannte Teilzeitfalle, bei der Frauen aufgrund fehlender oder teurer Betreuungsangebote in Teilzeit arbeiten und dadurch seltener für Führungspositionen berücksichtigt werden. Zweitens männlich geprägte Unternehmenskulturen und Netzwerke, die Frauen systematisch benachteiligen. Drittens fehlt in vielen KMU eine strategische Verankerung von Gleichstellungszielen in Karrierepfaden, Führungskultur und Rekrutierungsprozessen.
Warum reichen einzelne Gleichstellungsmassnahmen in KMU oft nicht aus?
Viele KMU beschränken sich auf einzelne Massnahmen wie flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitmodelle, ohne Gleichstellungsziele systematisch in der Unternehmensstruktur zu verankern. Ohne eine Einbettung in Karrierepfade, Führungskultur und Rekrutierungsprozesse bleiben diese Massnahmen Stückwerk. Nachhaltiger Fortschritt erfordert sowohl strukturelle Veränderungen im Unternehmen als auch die persönliche Weiterentwicklung der Frauen, die in Führungsrollen agieren oder aufsteigen wollen.
Was bedeutet authentisches Female Leadership und wie lässt es sich entwickeln?
Authentisches Female Leadership bedeutet nicht, sich einem fremden Führungsideal anzupassen, sondern die eigenen Stärken zu erkennen, limitierende Denkmuster zu überwinden und einen Führungsstil zu entwickeln, der sowohl wirksam als auch zur eigenen Persönlichkeit passend ist. Dazu gehören unter anderem das aktive Kommunizieren von Karriereinteressen, das Setzen klarer Grenzen, die Förderung der Selbstführung sowie das Verstehen von Sichtbarkeit als Führungsinstrument.